http://infranken.de/nc/nachrichten/loka ... 14540.html„Wir müssen Farbe bekennen“, sagt Jana fachmännisch. Und Hakim freut sich, weil er den „Alten“ hat, den höchsten Trumpf beim Schafkopfen. Wolfgang Lüdtke ist zufrieden mit seinen Schützlingen der „Schafkopf AG“.
Seit einigen Wochen bringt er Bayreuther Grundschülern das Kartenspiel bei. Nach sechs Lektionen haben sie schon einiges gelernt, sie wissen zum Beispiel, was die Karten wert sind, wie die höchsten Trümpfe aussehen und wie man seine Punkte zusammenzählt. Die „Schafkopf AG“ ist für alle Beteiligten eine freiwillige Angelegenheit, die Idee dazu hatte Schulleiterin Gabi Hemmer. Als sie in einer Klasse fragte, wer Schafkopf spielen kann, ging kein Finger nach oben. Nur ein Mädchen hatte überhaupt schon einmal bei dem Spiel zugesehen.
Kurse an der Volkshochschule
Dieses Phänomen ist längst ein frankenweites, immer weniger Schafkopf-Runden gibt es in den Wirtshäusern und Familien, der Altersdurchschnitt bei Schafkopfrennen steigt beständig. Dem wird aber auch in Oberfranken entgegengesteuert, so bietet die Volkshochschule Wunsiedel mittlerweile einen Schafkopf-Kurs an. Als es an der St.Georgen-Schule eine „Schafkopf AG“ geben sollte, meldeten sich rasch zehn Freiwillige, sechs Mädchen und vier Buben. Lüdtke unterrichtet sie ehrenamtlich, hauptberuflich ist er Sportreferent bei der Regierung von Oberfranken, in seiner Freizeit begeisterter Schafkopf-Karter.
„Sehr früh entwickelt sich beim Spiel strategisches Denken, wenn es etwa darum geht, ob man lieber mit der Herz-Zehn oder dem Grün-Unter stechen soll“, sagt Lüdtke. Auch das Kopfrechnen kommt nicht zu kurz. Blitzschnell hat etwa Hakim ausgerechnet, dass er 92 „Augen“, also Punkte, hat, wenn die anderen zusammen auf 28 kommen. Denn insgesamt müssen es immer 120 Augen sein. „
Was ist, wenn beide 60 Augen haben?“, fragt Kübra.
„Dann gewinnt der Coolste“, schlägt Nico vor, bevor ihm Lüdtke erklärt, dass dann der verliert, der „gespielt“ hat.
Integration durch Schafkopf
Einige Schüler geben ihre Schafkopfkenntnisse bereits stolz innerhalb der Familie weiter. Nico kartet schon länger gerne: „Ich spiele Schafkopf, Poker und Pokémon.“ Der „Schafkopf AG“ gehören auch Kinder aus türkischen oder russlanddeutschen Familien an. „So trägt Schafkopf zur Integration bei“, sagt Lüdtke. Zum Schuljahresende will er die Schüler in einem kleinen Turnier gegeneinander antreten lassen. Um Geld wird es dabei nicht gehen, nur um Punkte. Dennoch will jeder gewinnen.